Flat White Tornqvist Pop up Hamburg Specitaly Coffee

 

Bevor ich für meine fünfwöchige Australienreise auf die andere Seite der Welt geflogen bin, habe ich mich in Hamburg für den Blog noch mit zwei spannenden Personen getroffen. Das erste inspirierende Interview, mit der Grafikdesignerin Eva, ging noch Ende Januar online. Eine weitere Ausgabe von „Auf einen Kaffee mit…“ folgt heute.

Dieses Mal möchte ich euch Thorsten vorstellen, dem ich schon lange auf Instagram folge (@lastguest_hh) und von vielen zufälligen Begegnungen in der Hamburger Kaffeeszene kenne. Besonders die kreativen Projekte, die er neben seiner selbstständigen Tätigkeit geschaffen hat, begeistern mich immer wieder.

Das Café, in dem ich dieses Mal interviewt habe, ist übrigens das Tørnqvist Pop-Up auf St. Pauli. Bereits diese Woche schließt der Pop-Up leider wieder, aber es gibt tolle Neuigkeiten: Der Tørnqvist-Gründer Linus ist demnächst nicht nur erneut mit seinem VW-Bus auf Hamburgs Märkten unterwegs, er eröffnet auch unter dem Namen „sixteensquares“ im April auch eine neue Anlaufstelle für Kaffeefreunde in Hamburg. Ich bin sehr gespannt und freue mich schon darauf dort demnächst wieder so guten Kaffee mit netten Menschen wie Thorsten trinken zu können!

 

Tho @lastguest_hh @coffeetablemags auf einen Kaffee mit third wave coffee

 

Was machst du beruflich?

Ich bin freiberuflicher Grafiker mit Schwerpunkt Reinzeichnung. Ein Reinzeichner kommt beim Grafikdesign am Ende ins Spiel, wenn der Designer seine Arbeit gemacht hat. Meine Aufgabe ist es die Dokumente so anzulegen, dass am Ende der Produktion auch das rauskommt, was sich der Designer vorher überlegt hatte. Dazu gehört es auch, zu überprüfen, ob in einer Datei alles stimmt. Also ob die richten Farben benutzt wurden, die richtige Kundenschrift genutzt wurde, Texte harmonisieren und nichts verzerrt ist – Perfektionismus spielt eine große Rolle (lacht). Meine Kunden sind dabei hauptsächlich Design- und Werbeagenturen.

 

Wir kennen uns über die Specialty Coffee Szene hier in Hamburg. Wie bist du zu dieser gekommen?

Schon früher habe ich sehr viel Kaffee getrunken (der nicht besonders gut war). Weil ich stänidg Probleme mit meiner Verdauung hatte und nicht wusste, woher es kam, habe ich irgendwann eine einjährige Kaffeepause eingelegt. In dieser Zeit habe ich angefangen grünen Tee zu trinken, weil das Aufhören mir so viel leichter gefallen ist: Ich habe mein Ritual am Morgen nicht aufgegeben müssen, sondern nur die Zutat ersetzt.

Dann bin ich mit einer Frau zusammengekommen, die gerne Kaffee trinkt. Ich fand die Tatsache zusammen Kaffee zu trinken einfach gemütlicher, als dass einer in unserer Beziehung Tee trinkt und der andere Kaffee. Letztendlich habe ich mir damals aber gedacht: Wenn ich jetzt wieder anfange Kaffee zu trinken, dann nur richtig Guten! Ich habe mich also mehr damit beschäftigt, was überhaupt richtig guter Kaffee ist und nach und nach verschiedene Röstereien ausprobiert. Am Anfang habe ich übrigens nur Flat White oder Cappuccino getrunken und Filterkaffee als „Hipsterquatsch“ abgestempelt. Mittlerweile schätze ich diesen noch mehr als Espresso basierte Getränke!

 

Linus bekommt von unserem Interview mit, setzt sich zu uns und unterbricht unser Gespräch: „Darf ich einen Kommentar abgeben?“ Klar darf er:

Thorsten hat zusammen mit Markus Reuter und André Krüger wirklich etwas unglaublich Gutes geschaffen mit dem Third Wave Wichtel Projekt. Das ist ein Game Changer in der Kaffee Szene gewesen! Das Problem bei Kaffee ist nämlich schon immer nicht die Mühle, nicht die Waage, nicht das Wasser, nicht der Barista, gewesen, sondern die Kommunikation. Also das die Leute nicht verstehen, was der Unterschied zwischen guten und schlechten Kaffee ist und warum sich der Bessere lohnt. Durch Third Wave Wichteln tauscht die ganze Welt Kaffee miteinander aus und viel mehr Leute bekommen eine Begeisterung für Specialty Coffee – echten guten Kaffee.

(Für den Leser, der sich gerade fragt, was es mit den Begriffen Specialty Coffee/ Third Wave Coffee auf sich hat: Klickt mal bei diesem Beitrag über das Man Versus Machine in München vorbei. Dort schreibe ich über die aktuelle Kaffeebewegung.)

 

Specitaly Coffee Tornqvist @lastguerst_hh third wave wichtel coffee table mags

 

Thorsten, du steht ja hinter mehreren Projekten in Richtung Kaffee. Bevor wir zum Third Wave Wichteln kommen: Was hat es mit den Coffee Table Mags auf sich?

Coffee Table Mags, das ist hauptsächlich ein Online Shop für internationale Independent Magazine, größtenteils englischsprachig. Das Konzept dahinter ist es den Leuten die Möglichkeit zu bieten an Magazine zu kommen, die sehr schwer zu bekommen sind. Entstanden ist es, quasi als Ersaatzbefriedigung, weil ich eigentlich immer ein eigenes Magazin machen wollte. Ich habe schon seit jeher ein großes Interesse an Magazin. Anfangs beim Betreiben der Schülerzeitung. Während meiner Ausbildung habe ich mich regelmäßig mit 18 anderen getroffen, um ein Magazin zu grüden. Das ist leider an den finanziellen Widrigkeiten zerbrochen und irgendwann habe ich die Idee abgeharkt. Die Leidenschaft für Magazine ist aber weiter geblieben. Wenn ich in Berlin war, bin ich stundenlang zu „Do you read me“ gegangen (ein Berliner Shop für Independent Magazine) und habe dort Unsummen an Geld gelassen. Weil es in Hamburg keinen Laden gab, der die Art von Magazine verkaufte, die mich hauptsächlich interessierten, habe ich gedacht, vielleicht sollte ich das ändern. Ich habe immer mit dem Gedanken gespielt einen richtigen Laden aufzumachen, aber nie den Weg gesehen, wie ich davon Leben kann.

Als damals die Public Coffee Roasters ihren Laden in der Wexstraße aufgemacht haben, haben sie mir angeboten ein Regal in ihren Laden für meine Idee zu nutzen. Also habe ich im April 2014 auf die schnelle das Ganze gegründet. Mit 15 Magazinen habe ich damals gestartet und biete mittlerweile über 200 an. Bei der Namenssuche bin ich auf den feststehenden Begriff „Coffee Table Books“ gestoßen und weil ich schon immer die Kombination von Kaffee trinken und Magazin lesen mochte, passte die Idee „Coffee Table Mags“ einfach wie die Faust auf’s Auge. Durch meine Leidenschaft für specialty coffee biete ich neben Lifestyle, Reisen und Food Magazinen auch viele Magazine an, die sich auf Kaffee konzentrieren. Da schließt sich dann der Kreis. Alles was man bei mir findet mag ich übrigens auch selbst – das ist mein Auswahlkriterium.

 

Eines weiteres Projekt hinter dem du mit steckt, und von dem Linus eben schon berichtet hat, ist das Third Wave Wichteln. Was ist das genau und wie ist es zu dieser Idee gekommen?

Linus hat ja jetzt schon fast alles erzählt (lacht). Wie bei vielen Dingen ist der Ursprung auf Instagram gewesen: Ich habe damals Kaffee von den wenigen guten Röstern, die es hier in Hamburg gab, gepostet und Markus Reuter aus Düsseldorf war ganz neidisch auf den Kaffee. Er schlug vor „Lass uns doch Kaffee wichteln!“. André Krüger, den viele von seinem Instagramaccount @bosch kennen, und ich waren total angefixt von der Idee. Also hat Markus damals vor vier Jahren auf die schnelle eine Internetseite gebastelt. Wir dachten am Anfang es würden vielleicht zwanzig Leute aus Deutschland teilnehmen, aber am Ende wurden es im ersten Jahr bereits 365 Menschen aus über vierzig Ländern auf der Welt! Das lag auch daran, dass der wichtigste Kaffeeblog aus den USA (Sprudge) unser Projekt entdeckt hat und über die „three German coffee streber“ geschrieben hat. Seit dem findet jedes Jahr um Weihnachten herum das Third Wave Wichteln statt.

Dabei geht es vor allem darum, dass jeder der eine Leidenschaft für Specialty Coffee hat – vom Kaffee-Enthusiasten wie mich, der beruflich gar nichts damit am Hut hat, bis zum professionellen Barista oder Röster – sich international über Kaffee austauscht. Man verschickt also einen Kaffee und schreibt ein paar Zeilen an seinen Wichtelpartner, der sonst wo auf der Welt lebt.

Bosch (André Krüger) macht dabei hauptsächlich die Kommunikation, ich kümmere mich um die Zusammenarbeiten mit ausgewählten Partnern und Markus Reuter macht den größten Batzen: Er übernimmt viel organisatorisches, kümmert sich um unsere Website und ist sehr aktiv in der zugehörigen Facebook-Gruppe, etc.. Übrigens ein kleiner Fun Fact am Rande: Wir drei – Markus, André und ich – waren noch nie gleichzeitig am selben Ort – trotzdem schaffen wir es seit vier Jahren das Projekt aufrecht zu erhalten.

 

Hier in Hamburg bist du ja in allen guten Cafés für Specialty Coffee regelmäßig anzutreffen, wie sieht es außerhalb unserer Stadt aus? Was sind deine Top 5?

Gute Frage! Ich glaube Ernst Kaffee Rösterei in Köln, Man Versus Machine in München und in Berlin: Bonanza, Nano Kaffee und Five Elephant.

 

Auf einen Kaffee mit @lastguest_hh Coffee Table Mags Third Wave Wichteln

 

Gab es ein Aha-Erlebnis bis jetzt in deinem Kaffeeleben?

Ja das gab es! Das hatte ich bei Bonanza in Berlin. Ich besaß damals einen Green-Tip Panama Geisha. den mir meine Eltern und mein Bruder zu Weihnachten geschenkt hatten (ein ganz besonderer und seltener Kaffee, der sehr teuer ist). Den Großteils des Kaffees hatte ich schon Zuhause zubereitet, aber den letzten Rest mit zu Bonanza genommen, um mit Hilfe des Baristas, Damian, das Beste aus den besonderen Kaffee zu holen. Damian hatte mit dem Rest vom Kaffee nur zwei Versuche uns Kaffee zuzubereiten.

Auf Grund seines Wissens und Könnens hat Damian schon beim ersten Versuch echt einen tollen Kaffee kreiert, der schon ein riesiger Unterscheid zu meinem von Zuhause war. Beim zweiten Versuch hatte ich dann mein Aha-Erlebnis: Er hat nur minimal etwas geändert – also fast gar nichts, nur minimalste Verhältnisse – und es hat einfach total anders geschmeckt! Wie ein ganz anderer Kaffee! Ich glaube ich habe nie wieder so einen leckeren Kaffee getrunken wie diesen. In dem Moment dachte ich auch, ich muss unbedingt wieder mehr Zuhause rum probieren und nicht immer nur die Standardverhältnisse von Kaffee zu Wasser etc. nutzen. Im Idealfall sollte man damit mal anfangen, aber dann in alle Richtung variieren.

 

Kommen wir zur letzten Frage: Du bist ja Freiberufler, steckst hinter vielen Projekten und bist nebenbei auch noch Vater von zwei Kindern. Gibt es eine Weisheit die du im Leben gelernt hast und anderen weitergeben würdest?

Spontan würde ich sagen, gerade auch im Hinblick auf das Elternsein: Das man sich nicht nur auf das Elternsein fokussieren sollte. Natürlich ist es wichtig für seine Kinder da zu sein, sie zu lieben und ihnen das auch mit Aufmerksamkeit zu zeigen, aber es muss sich nicht alles um sie drehen. Man kann auch weiterhin Leidenschaften haben!

Ich glaube solange man für seine Kinder da ist (und nicht nur sein Ding macht und sie gar nicht mehr beachtet), dass diese am Ende sogar von dem eigenen Brennen für Etwas profitieren. Allein schon wenn mein Einjähriger nur die Kaffeemühle hört flippt er total aus vor Freude, weil er das seit seiner Geburt kennt. Wenn man selbst also weiterhin Leidenschaften hat und deswegen glücklich ist, bereichert es auch den Rest der Familie!

 

Danke dir lieber Thorsten für das Interview!

 

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